Transformation in der Automobilindustrie

Die Elektromobilität hat ein enormes Potenzial, die Automobilindustrie muss sich transformieren.

Volkswagen, Daimler, BMW sowie weltweit führende Zulieferer für die Automobilindustrie wie Bosch oder Continental sind in Deutschland beheimatet und international respektiert. Doch für einen der wichtigsten Industriezweige der Bundesrepublik herrschen gerade besten Zeiten- und die schlechtesten. Unternehmen stehen vor der größten Transformation in der Geschichte der Kraftfahrzeugindustrie.

 

Anfangs hat es sicherlich Wachstumsschmerzen gegeben. Lieferkettenprobleme, Engpässe bei Edelmetallen, die zur Herstellung von Computerchips benötigt werden, sowie ein ebenso gravierender Mangel an Nickel, das für EV-Batterien unerlässlich ist, sorgen für Bedenken. Gleichzeitig führte die Verbraucher:innennachfrage und die staatlichen Beschränkungen für benzinbetriebene Fahrzeuge zu einer enormen Marktausweitung im Elektrofahrzeugbereich, die wiederum neue und potenziell attraktive Arbeitsplätze mit sich bringt. Alles zusammengenommen ergibt sich eine vielversprechende Branche - sowohl für die Verbraucher:innen als auch für die Arbeitnehmenden.

 

Re-setting der Automotivebranche

 

Spätestens seit der Ankündigung eines Verbots von Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren ab 2035 ist der Umstieg auf E-Mobilität nicht mehr aus der Welt zu denken. Darüber hinaus hat die fortschreitende „Softwareisierung" von Fahrzeugen sowie der Entwicklungs- und Produktionsumstieg vom Verbrenner auf E-Antriebe einen entscheidenden Einfluss auf die Branche. Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind 2022 mehr als 618.500 Fahrzeuge mit Elektroantrieb In Deutschland zugelassen.

 

Parallel zum Fahrzeugwandel verändern sich auch die Automobilhersteller: weg vom traditionellen Industrieunternehmen in Richtung integrierter Hardware- und Softwareunternehmen. Für Verbraucher:innen ist es längst nicht nur entscheidend, von A nach B zu kommen, sondern wie kompatibel das Fahrzeug mit Endgeräten wie z. B. mit ihrem Smartphone ist. Damit eröffnen sich völlig neue Märkte mit vielfältigen industriellen Schnittstellen wie etwa durch In-Car-Payment oder andere datenbasierte Leistungen. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA)  werden in den nächsten fünf Jahren die im VDA organisierten Hersteller und Zulieferer 150 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien investieren. Daraus ergeben sich Veränderungen in den Arbeitsprozessen und ganz neue Kompetenzprofile - aber auch neue Chancen! Fazit: Die Zeichen stehen auf Umbruch.

 

Die Engpässe bei Edelmetallen für Batterien und Halbleiter könnten das Wachstum der Branche verlangsamen, wobei einige Quellen  davon ausgehen, dass sich diese Herausforderungen - die das Angebot an E-Fahrzeugen verlangsamt haben - bis weit ins Jahr 2023 erstrecken werden. Eine kürzlich vom Europäischen Verband der Automobilzulieferer CLEPA veröffentlichte Studie zu den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zeigt drei Szenarien auf, von denen zwei einen Anstieg des Personalbedarfs noch vor einer Abnahme vorhersagen. Und laut einer Prognose sind innerhalb der nächsten 10 Jahre steigende Umsätze im Automobilbereich zu erwarten. 2030 sollen weltweit ca. 3,8 Billionen US-Dollar durch den Absatz von Automobilen erwirtschaftet werden.

 

Das Humankapital

 

Die wichtigste und langfristige Herausforderung bleibt unverändert: Wie wird die Automobilindustrie qualifizierte Arbeitskräfte finden, um diese noch nie dagewesene Transformation zu unterstützen?

 

Der Wandel in der Fahrzeugtechnologie verstärkt die Verlagerung auf fortschrittlichere Herstellungstechnologien. Neue Prozesse erfordern erhebliche Investitionen in die Industrie 4.0 sowie neue digitale Skills im Bereich Advanced Manufacturing. Industrieroboter, die minimalen Wartungsaufwand erfordern, stellen die Hauptantriebskraft für die Einführung von Robotertechnologien in der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilproduktion dar. Der Einsatz von fortschrittlicher Datenanalyse und KI-Technologien wird die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine vertiefen, um hochgradig personalisierte Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

 

Für Gesetzgeber:innen und Hersteller:innen besteht die Herausforderung darin, wie sie Personal aus der Fahrzeugproduktion in die Zulieferindustrien bringen, Elektroautos unterstützen und dabei gleichzeitig die Profitmargen und das Produktionsniveau halten können. In dieser Umbruchzeit sind Qualifizierungsmaßnahmen für die Belegschaft, Weiterbildung und Umschulung von besonderer Bedeutung. Zukünftige Fachkräfte möchten lernen und sich neu qualifizieren, um weitere Spezialisierungen zu erwerben. Sie binden sich eher langfristig an Unternehmen, die in Up- und Reskilling investieren.

 

Ende September 2022 hat die Europäische Allianz für berufliche Qualifikationen in der Automobilindustrie (European Automotive Skills Alliance) ihre allererste Konferenz „Skills in Continuous Transition?“ in Stuttgart veranstaltet. Das Event brachte Branchenvertreter:innen zusammen, um gemeinsam Ideen und Strategien zu entwickeln, die den Kompetenzwandel fördern. Zum Ziel wurde gesetzt, Wege zu finden, um die Anforderungen der Umstellung des Humankapitals innerhalb einer Branche zu bewältigen, die sich in einem enormen technologischen Wandel befindet.

 

In den USA zum Beispiel hat Präsident Joe Biden vor kurzem die Zustimmung des Kongresses zum CHIPS- und Wissenschaftsgesetz erreicht, das unter anderem 52 Milliarden Dollar für die Entwicklung und Produktion von Computerchips und weitere Milliarden für die Elektrofahrzeug- und Batterieproduktion vorsieht. Solche Investitionen dürften letztendlich zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, aber es ist noch unklar, ob sie so lukrativ sein werden wie Arbeitsplätze in der konventionellen Automobilbranche.

 

Das Fazit:

 

Von der Halbleiterkrise über sinkende Absatzzahlen bis hin zum Fachkräftemangel - in der von der Pandemie geprägten deutschen Autoindustrie stehen die Ampeln im Moment auf dunkelgelb. Doch bei einigen Konkurrenten scheinen sie auf Grün umgeschaltet zu haben: Tesla feiert Rekordverkäufe und der Unterhaltungsriese Sony präsentierte letzte Woche auf der CES einen Prototyp für sein erstes E-SUV.

 

Die Elektromobilität hat ein enormes Potenzial, sowohl für den globalen Arbeitsmarkt als auch für das globale Klima. Während die Automotivebranche ihren Fahrplan für eine technologieorientierte Zukunft neu kalibriert, wird auch die Suche nach dem richtigen Partner für ihren Talentbedarf entscheidend sein. Laden Sie den neuesten Bericht, Global Labor Market Insights - July-August 2022, herunter, um aktuelle Informationen über den globalen Arbeitsmarkt und die Branchenentwicklungen zu erhalten.

 

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Als Gründungsmitglied der Automotive Skills Alliance hofft die Adecco Group, mehr Forschung und Diskussionen darüber anzustoßen, wie das Humankapital am besten in neue und aufstrebende Industrien gebracht werden kann. Weitere Einblicke in die Qualifizierung und Umschulung von Arbeitskräften in der Automobilindustrie unter diesem Link